In vielen Fächern zählt vor allem die Argumentation. Eine Ingenieurarbeit wird zusätzlich daran gemessen, ob die technische Lösung trägt und ob eine andere Person Ihre Ergebnisse mit denselben Angaben reproduzieren könnte. Daraus ergeben sich Anforderungen an Aufbau und Methodik, die in allgemeinen Schreibratgebern kaum vorkommen.
Bereiche, in denen wir Arbeiten betreut haben
Jede Ingenieurdisziplin hat eigene Werkzeuge und eigene Fachliteratur. Eine Tragwerksberechnung verlangt andere Kenntnisse als die Regelung eines Elektroantriebs, auch wenn beide Berichte ähnlich gegliedert sind. Deshalb ordnen wir jede Anfrage zuerst einem Teilgebiet zu und wählen erst danach die Fachperson.
Die folgende Übersicht zeigt Teilgebiete, in denen wir Arbeiten betreut haben. Zu jedem Teilgebiet finden Sie eine Fragestellung, wie sie uns in Bachelor- und Masterarbeiten oder in Diplomarbeiten HF regelmässig begegnet. Die Formulierungen sind verallgemeinert, damit keine Rückschlüsse auf einzelne Aufträge möglich sind.
| Teilgebiet | Typische Fragestellung |
| Maschinentechnik und Konstruktion | Wie verkürzt eine neue Vorrichtung die Rüstzeit, ohne den Festigkeitsnachweis zu gefährden? |
| Elektrotechnik und Automation | Welche Regelung hält die Drehzahl eines Antriebs bei wechselnder Last stabil? |
| Bauingenieurwesen | Genügt ein bestehendes Tragwerk nach einer Umnutzung den aktuellen SIA-Normen? |
| Energie- und Gebäudetechnik | Lohnt sich in einem sanierten Mehrfamilienhaus der Wechsel auf eine Wärmepumpe? |
| Wirtschaftsingenieurwesen und Produktion | Wie verändert ein neues Layout den Materialfluss einer Fertigungslinie? |
| Umwelt- und Verfahrenstechnik | Wie zuverlässig entfernt eine Pilotanlage Mikroverunreinigungen aus kommunalem Abwasser? |
| Medizin- und Mikrotechnik | Erreicht ein Sensorprototyp die geforderte Genauigkeit eines Referenzgeräts? |
| Werkstoffe und additive Fertigung | Wie gut sagt eine Prozesssimulation den Verzug eines 3D-gedruckten Metallbauteils voraus? |
Ihr Thema muss in keiner dieser Zeilen stehen. Viele Arbeiten liegen zwischen zwei Teilgebieten, etwa wenn ein Gebäudetechnikprojekt eine Wirtschaftlichkeitsrechnung braucht. In solchen Fällen klären wir im Kick-off, welcher Teil das grössere Gewicht hat, und richten die Zuteilung danach aus.
Bewertung des gesamten Lösungswegs
Ingenieurarbeiten folgen meist einem festen Ablauf. Am Anfang steht die Problemstellung, oft in Form eines Lastenhefts, in dem der Auftraggeber seine Anforderungen an die Lösung festhält. Daraus entsteht ein Pflichtenheft oder eine Anforderungsliste mit Muss- und Wunschkriterien, an der sich jede spätere Variante messen lassen muss.
Die Umsetzung allein genügt dabei selten. Bewertungsraster an Fachhochschulen nennen ausdrücklich die Untersuchung von Lösungsvarianten und den Umgang mit Schwierigkeiten im Projektverlauf. Eine Konstruktion ohne erkennbaren Vergleich mit Alternativen wirkt im Gutachten eher wie eine Bauanleitung als wie eine Ingenieurleistung.
| Abschnitt | Worauf Betreuungspersonen achten | Was wir dafür tun |
| Problemstellung | Messbare Ziele, klare Abgrenzung | Ziele aus dem Lastenheft ableiten und in prüfbare Kriterien übersetzen |
| Stand der Technik | Bestehende Lösungen und aktuelle Fachliteratur | Recherche in Fachdatenbanken und Patentschriften |
| Konzept und Varianten | Eine nachvollziehbare Auswahl | Bewertungsmatrix mit gewichteten Kriterien, etwa als Nutzwertanalyse |
| Methodik | Reproduzierbarkeit | Versuchsaufbau, Geräte und Softwareversionen vollständig dokumentieren |
| Resultate und Diskussion | Trennung von Befund und Deutung | Resultate neutral darstellen, Deutung und Grenzen in der Diskussion |
Die Tabelle zeigt auch, warum ein ausführlicher Theorieteil allein wenig hilft. Betreuungspersonen lesen eine Ingenieurarbeit wie einen Projektbericht und prüfen, ob jedes Kapitel auf dem vorherigen aufbaut. Unsere Fachpersonen schreiben deshalb von der Anforderungsliste her, damit der rote Faden bis zur Schlussfolgerung hält.
Resultate getrennt von der Diskussion
In Rückmeldungen zu Ingenieurberichten taucht ein Punkt immer wieder auf, nämlich die Vermischung von Befund und Deutung. Leitfäden technischer Hochschulen verlangen, dass der Resultateteil die Ergebnisse neutral wiedergibt. Die Deutung folgt erst in der Diskussion, zusammen mit den Grenzen der eigenen Daten.
Ebenso wichtig ist die Messunsicherheit. Ein Messwert ohne Angabe seiner Genauigkeit lässt offen, ob sich zwei Varianten tatsächlich unterscheiden. Unsere Fachpersonen weisen Unsicherheiten aus, etwa nach dem internationalen Leitfaden GUM (Guide to the Expression of Uncertainty in Measurement), und beziehen sie in die Diskussion ein.
Vorsicht
Ein Versuch, der die erwartete Wirkung verfehlt, ist kein Grund, Daten wegzulassen oder Kurven zu glätten. Negative Resultate lassen sich wissenschaftlich sauber darstellen, wenn Sie die Ursachen benennen und Folgerungen daraus ziehen. Geschönte Daten fallen spätestens in der Verteidigung auf.
Fehlgeschlagene Versuche behandeln wir deshalb als Teil der Arbeit. Die Fachperson ordnet ein, ob der Aufbau oder die Modellannahme die Ursache war, und formuliert daraus Empfehlungen für das weitere Vorgehen. Ein offen dokumentierter Fehlschlag zeigt oft mehr Ingenieurverstand als eine glatte Kurve ohne Erklärung.
Simulationen nur mit Validierung
Simulationen gehören heute zu vielen Bachelor- und Masterarbeiten. Häufig ist es eine Finite-Elemente-Analyse (FEM), bei der ein Bauteil rechnerisch in viele kleine Elemente zerlegt wird, oder eine Strömungssimulation (CFD). Ein farbiges Ergebnisbild aus der Software beweist allerdings wenig, solange offen bleibt, wie gut das Modell die Realität abbildet.
Betreuungspersonen fragen deshalb, ob das Netz fein genug war und ob die Randbedingungen der Realität entsprechen. Die erste Frage beantwortet eine Konvergenzstudie, bei der das Netz schrittweise verfeinert wird, bis sich das Ergebnis kaum noch ändert. Die zweite verlangt einen Abgleich mit Messwerten oder einer Handrechnung.
Gut zu wissen
In Arbeiten zu additiver Fertigung oder zum Werkstoffverhalten werden oft eigene Kalibrationsbauteile hergestellt, um die Simulation an der Realität zu prüfen. Planen Sie dafür Zeit in der Werkstatt ein, weil ohne diesen Abgleich die Aussagekraft des Modells offen bleibt.
Unsere Fachpersonen dokumentieren das Modell samt Netzstudie so, dass die Betreuungsperson jeden Schritt prüfen kann. Liegt noch keine Validierung vor, zeigen wir im Kick-off auf, welcher Abgleich mit Ihren Mitteln realistisch ist. Die Grenzen des Modells benennen wir in der Diskussion offen.
Normen mit Ausgabestand, Quellen meist nummeriert
Auch beim Zitieren gelten in technischen Fächern eigene Gewohnheiten. Wörtliche Zitate sind selten, verbreitet sind numerische Zitierstile wie IEEE, bei denen im Text nur eine Nummer in eckigen Klammern steht. Einen einheitlichen Stil gibt es allerdings keinen, und viele Lehrstühle verlangen vor allem eine konsequente Anwendung.
Daneben zitieren Ingenieurarbeiten Quellen, die in anderen Fächern kaum vorkommen, etwa Normen oder Herstellerdatenblätter. Bei diesen Quellentypen kommt es auf Angaben an, die in allgemeinen Zitierleitfäden oft fehlen. Die Tabelle zeigt, worauf wir dabei achten.
| Quellentyp | Worauf wir achten |
| Normen, etwa SIA-Normen oder Eurocodes | Nummer, Titel und Ausgabejahr, weil Normen überarbeitet oder zurückgezogen werden |
| Herstellerdatenblätter | Revisionsstand und Abrufdatum, da sich Kennwerte ändern können |
| Patentschriften | Veröffentlichungsnummer und Anmelder |
| Software und Skripte | Programmversion, damit Simulationen reproduzierbar bleiben |
| Interne Unternehmensdokumente | Kennzeichnung als vertraulich und Ablage in einem separaten Anhang |
Ihre Zitierrichtlinie hat dabei immer Vorrang. Wir gleichen sie mit unserer Sammlung von Wegleitungen und Zitierrichtlinien Schweizer Hochschulen ab, damit Normen und Datenblätter im Literaturverzeichnis so erscheinen, wie Ihr Studiengang es verlangt. Fehlt eine Regel für einen Quellentyp, schlagen wir eine Form vor, die Sie mit Ihrer Betreuungsperson absprechen können.
Praxisarbeiten mit Unternehmen als Auftraggeber
An Fachhochschulen bearbeiten viele Studierende ihre Bachelorarbeit im Auftrag eines Unternehmens. Das bringt echte Daten und konkrete Probleme, aber auch zwei Erwartungen. Das Unternehmen möchte eine verwertbare Lösung, die Hochschule eine wissenschaftlich begründete Arbeit, und beides muss im selben Bericht Platz finden.
Dazu kommt die Vertraulichkeit. Viele Arbeiten enthalten Konstruktionsdaten oder Kennzahlen, die das Unternehmen schützen möchte. Je nach Hochschule wird dann ein Sperrvermerk gesetzt, mit dem die Arbeit von der Veröffentlichung ausgenommen wird, oder sensible Daten wandern in einen separaten Anhang.
Vorsicht
Ein Sperrvermerk schützt die Arbeit vor der Öffentlichkeit, die Prüfung bleibt davon unberührt. Betreuungs- und Prüfungspersonen müssen die Resultate einsehen können, und manche Lehrstühle lassen vertrauliche Arbeiten gar nicht zu. Klären Sie die Regel Ihres Studiengangs, bevor Sie dem Unternehmen etwas zusagen.
Bei SwissWrite gelten für solche Daten strenge Regeln. Sie übertragen Unterlagen über einen verschlüsselten Weg, und alle Fachpersonen unterliegen einer Verschwiegenheitspflicht. Auf Wunsch löschen wir die Daten nach Projektende. Den Bericht formulieren wir so, dass er auch ohne den vertraulichen Anhang verständlich bleibt.
Andere Erwartungen je nach Hochschultyp
Wie eine Ingenieurarbeit aussieht, hängt stark davon ab, wo Sie studieren. An Universitäten steht häufig eine Forschungsfrage im Vordergrund, an Fachhochschulen eher ein Problem aus der Praxis. In der höheren Berufsbildung zählt vor allem der nachweisbare Nutzen für den eigenen Betrieb.
Diese Unterschiede wirken sich auf die Gliederung und auf die Gewichtung der Kapitel aus. Eine Fachperson, die nur einen dieser Typen kennt, schreibt leicht am Bewertungsraster vorbei. Die Übersicht fasst zusammen, was das für unsere Zusammenarbeit mit Ihnen bedeutet.
| Abschluss | Typischer Schwerpunkt | Was das für die Zusammenarbeit heisst |
| Bachelor- oder Masterarbeit an einer Universität | Forschungsfrage, oft numerisch oder experimentell | Vertiefte Literaturarbeit und eigene Modellbildung |
| Bachelorarbeit an einer Fachhochschule | Problem eines Unternehmens mit Umsetzung | Variantenvergleich und Praxistransfer im Vordergrund |
| Diplomarbeit HF | Projekt im eigenen Betrieb, oft mit Investitionsrechnung | Nutzen für den Betrieb belegen und die Wirtschaftlichkeit sauber rechnen |
| MAS-Thesis oder CAS-Arbeit | Umsetzungs- oder Führungsfrage mit technischem Kern | Technik mit Projektmanagement verbinden |
Gerade in der höheren Berufsbildung und in Weiterbildungen schreiben viele Personen neben einem vollen Pensum. Dort planen wir die Zwischenstände so, dass Sie Rückmeldungen am Abend oder am Wochenende geben können, ohne dass der Zeitplan ins Rutschen kommt.