Die Sportwissenschaften verbinden naturwissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Methoden in einem Fach. Eine Arbeit über Muskelaktivität beim Sprint folgt deshalb ganz anderen Regeln als eine Arbeit über Ehrenamt im Sportverein. Daraus ergeben sich Besonderheiten, die wir bei jeder Anfrage klären, bevor eine Fachperson zugeteilt wird.
Zuteilung an eine Fachperson aus Ihrem Teilgebiet
In der Schweiz gibt es kein einheitliches Sportstudium. Die Schweizer Übersicht zum Sportstudium zählt rund 25 Studiengänge zu Sport, Bewegung und Gesundheit mit deutlich unterschiedlichem Profil. Manche setzen einen sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Schwerpunkt, andere arbeiten mit Laborverfahren aus Physiologie und Neurowissenschaften.
Eine Fachperson aus der Biomechanik schreibt deshalb keine Arbeit über Sportkarrieren, und umgekehrt. Wir ordnen Ihre Arbeit dem Teilgebiet zu, aus dem Ihre Fragestellung stammt. Die Tabelle zeigt Bereiche, in denen wir Arbeiten betreut haben, jeweils mit einer typischen Fragestellung.
| Teilgebiet | Typische Fragestellung aus unseren Aufträgen |
| Trainingswissenschaft | Wie verändert ein achtwöchiges Gehtraining die Ausdauer inaktiver junger Erwachsener? |
| Biomechanik | Lässt sich das Kraft-Geschwindigkeits-Profil im Nachwuchsfussball mit einem Feldtest bestimmen? |
| Bewegungswissenschaft | Wie unterscheiden sich die Blickbewegungen von Nachwuchs- und Elitekader beim Penalty? |
| Sportpsychologie | Wie erleben Aktive den Übergang vom Nachwuchs- in den Elitesport? |
| Sportpädagogik | Wirkt ein schulisches Bewegungsprogramm auf das körperbezogene Selbstkonzept von Kindern? |
| Sportsoziologie und Sportmanagement | Was hält Ehrenamtliche in Schweizer Sportvereinen? |
| Sport und Gesundheit | Verbessert ein Gleichgewichtstraining die Gangsicherheit bei Parkinson? |
Liegt ein Thema zwischen zwei Teilgebieten, etwa bei einer Trainingsstudie mit psychologischem Fragebogen, zieht die Fachperson eine zweite Person aus dem anderen Bereich bei. So bleiben Theorie und Messung auf demselben fachlichen Stand.
Messinstrumente mit belegter Güte
In vielen Fächern bilden Texte oder Unternehmensdaten die Grundlage einer Arbeit. In den Sportwissenschaften entsteht das Material dagegen häufig im Labor oder auf dem Platz. Sportwissenschaftliche Wegleitungen verlangen deshalb, dass jedes Messinstrument mit Quelle und Angaben zu seiner Güte beschrieben wird.
Gemeint sind vor allem die Reliabilität, also ob ein Test bei Wiederholung dasselbe Ergebnis liefert, und die Validität, also ob er misst, was er messen soll. Unsere Fachpersonen suchen für jedes Instrument die passenden Validierungsstudien heraus. Ein Sprungtest, der bei Erwachsenen validiert wurde, gilt für Zwölfjährige nicht automatisch.
| Datenquelle | Was die Fachperson daraus macht |
| Kraftmessplatte | Sprunghöhe und Kraftverlauf aus dem Rohsignal berechnen, Filter dokumentieren |
| Bewegungssensoren und GPS | Laufdistanzen und Beschleunigungen pro Einheit zusammenfassen, Ausreisser prüfen |
| Eye-Tracking | Fixationen pro Blickziel auswerten und Gruppen vergleichen |
| Validierte Fragebögen | Skalenwerte bilden, interne Konsistenz mit Cronbachs Alpha prüfen |
| Interviews | Transkripte mit qualitativer Inhaltsanalyse kodieren |
| Befragungs- und Registerdaten | Sekundäranalysen, etwa mit Daten der Erhebung Sport Schweiz |
Die Auswertung schreiben wir als kommentiertes Skript. Jede Zahl im Ergebnisteil bleibt so nachvollziehbar, auch wenn in der mündlichen Prüfung nach einem einzelnen Wert gefragt wird. Bei Fragebögen halten wir zudem fest, welche Items umkodiert wurden und wie die Skalenwerte entstanden sind.
Gut zu wissen
Eine Auswertung von über 5000 Studien aus sechs sportwissenschaftlichen Fachzeitschriften der Jahre 2014 bis 2020 ergab, dass nur sechs Prozent ausschliesslich Frauen untersuchten. Untersucht Ihre Arbeit Sportlerinnen, prüft die Fachperson deshalb, ob Normwerte und Validierungsstudien auch für Frauen belegt sind.
Fehlt eine solche Studie, gehört diese Einschränkung offen in die Diskussion. Eine klar benannte Grenze der Übertragbarkeit zeigt der Betreuungsperson, dass Sie die Studienlage kennen. Ähnliches gilt für Altersgruppen, etwa wenn Normwerte aus dem Erwachsenensport auf Jugendliche übertragen werden sollen.
Kleine Stichproben ehrlich ausgewertet
Sportwissenschaftliche Studien arbeiten oft mit wenigen Personen, weil Labormessungen aufwendig sind und Personen aus dem Spitzensport selten zur Verfügung stehen. Eine Auswertung eingereichter Manuskripte beim Journal of Sports Sciences ergab 2020 eine mediane Stichprobe von 19 Personen. Nur rund zehn Prozent der geprüften Manuskripte enthielten eine Fallzahlplanung vor Studienbeginn.
Ein nicht signifikantes Ergebnis bei 15 Personen sagt deshalb wenig über die Wirkung eines Trainings aus. Unsere Fachpersonen planen schon in der Disposition eine Power-Analyse, also die Berechnung, wie viele Personen für einen bestimmten Effekt nötig sind. Im Ergebnisteil berichten sie zum p-Wert die Effektstärke mit Konfidenzintervall.
Vorsicht
Ältere sportwissenschaftliche Studien nutzen oft die Magnitude-based Inference (MBI), ein Verfahren, das Effekte in Wahrscheinlichkeiten für Nutzen und Schaden übersetzt. Nach einer statistischen Kritik kündigte die Fachzeitschrift Medicine and Science in Sports and Exercise 2018 an, Manuskripte mit MBI abzulehnen. Übernehmen Sie das Verfahren deshalb nicht ungeprüft aus einer Vorlagestudie.
Wir verwenden in solchen Fällen etablierte Verfahren wie gemischte Modelle oder Bayes-Statistik und begründen die Wahl im Methodenteil. So kann die Betreuungsperson die Auswertung prüfen, ohne an einer umstrittenen Methode hängenzubleiben. Zitieren Sie ältere MBI-Studien im Theorieteil, ordnet die Fachperson deren Befunde entsprechend vorsichtig ein.
Ethikbewilligung vor der ersten Messung
Sobald Menschen gemessen oder befragt werden, braucht eine sportwissenschaftliche Studie in der Regel eine Ethikprüfung. Viele Institute verlangen die Bewilligung einer fakultären Ethikkommission, bevor die erste Messung stattfindet. Fällt die Studie unter das Humanforschungsgesetz (HFG), etwa weil gesundheitsbezogene Daten erhoben werden, ist zusätzlich die kantonale Ethikkommission zuständig.
Eine Bewilligung kann mehrere Wochen dauern und lässt sich nachträglich kaum einholen. Unsere Fachpersonen planen den Zeitplan deshalb rückwärts vom Abgabetermin aus und erstellen Studieninformation und Einwilligungserklärung als Mustervorlage. Im Methodenteil weisen sie die Bewilligung so aus, wie es Ihre Wegleitung verlangt.
Vorsicht
Daten, die ohne nötige Bewilligung erhoben wurden, lassen sich auch durch eine gute Auswertung kaum noch verwenden. Klären Sie deshalb vor der ersten Messung mit Ihrer Betreuungsperson, welche Kommission für Ihre Studie zuständig ist. Die Antwort hängt unter anderem davon ab, ob gesundheitsbezogene Daten erhoben werden.
Personendaten behandeln wir nach den Empfehlungen des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten. Wir arbeiten mit pseudonymisierten Datensätzen, also ohne Namen, und löschen sie auf Wunsch nach Projektende. Messdaten erhalten dafür vor der Auswertung einen Code, der keinen Rückschluss auf die Person erlaubt.
Thema aus einem laufenden Forschungsprojekt
An vielen sportwissenschaftlichen Instituten stammen Masterarbeitsthemen aus den Forschungsschwerpunkten der Abteilungen. Eigene Vorschläge werden auf ihre Umsetzbarkeit geprüft, und manche Institute schreiben Projekte mit fertigem Studiendesign aus. Ihre Arbeit ist dann Teil einer grösseren Studie, deren Daten und Vorgaben schon feststehen.
In diesem Fall schreibt die Fachperson innerhalb des Rahmens, den das Projekt setzt. Sie übernimmt Begriffe und Messprotokolle aus der Projektbeschreibung und grenzt Ihren Teil klar vom Gesamtprojekt ab. So passt die Arbeit zu dem, was die Projektleitung von Ihrem Beitrag erwartet.
Gut zu wissen
Je nach Hochschule ist die Arbeit lange vor dem Schreibbeginn organisatorisch gebunden. An einem Institut muss etwa der Learning Contract, die schriftliche Vereinbarung über Thema und Betreuung, mindestens sechs Monate vor der geplanten Abgabe genehmigt sein. Verpasst man diese Frist, kann sich der Abschluss um ein Semester verschieben.
Wir richten die Meilensteine nach diesen Fristen aus. Die Disposition liegt dadurch rechtzeitig vor, damit Sie sie fristgerecht einreichen können. Erst wenn Learning Contract und Disposition genehmigt sind, beginnt die eigentliche Schreibphase mit festen Terminen für jede Teilleistung.
Praxistransfer mit klarer Grenze
Sportwissenschaftliche Arbeiten enden selten bei der Statistik. Betreuungspersonen erwarten in der Diskussion eine Antwort darauf, was ein Befund für das Training oder den Sportunterricht bedeutet. An Fachhochschulen und in der Trainerbildung hat dieser Praxistransfer häufig ein eigenes Kriterium im Bewertungsraster.
Unsere Fachpersonen formulieren den Transfer so konkret, dass er sich umsetzen lässt, etwa als Empfehlung zu Umfang und Intensität eines Trainingsblocks. Gleichzeitig halten sie fest, für welche Gruppe der Befund gilt, damit eine Empfehlung für Nachwuchsaktive keine ungeprüfte Regel für Erwachsene wird.
Ein Transfer, der weit über die eigenen Daten hinausgeht, schwächt die Diskussion. Deshalb trennen wir klar zwischen dem, was Ihre Ergebnisse zeigen, und dem, was erst eine weitere Studie klären müsste. Beides gehört in die Arbeit, an getrennter Stelle.
Formalia nach der Wegleitung Ihres Instituts
Viele sportwissenschaftliche Institute zitieren nach APA, legen aber eigene Regeln zu Deckblatt und Abgabeunterlagen fest. Manche verlangen zur Masterarbeit zusätzlich ein Poster oder ein kurzes Präsentationsvideo. Zur Bachelorarbeit gehört je nach Hochschule eine Präsentation im Kolloquium, die zum Abschluss zählt.
Formfehler wirken sich früher aus, als viele denken. Ein Institut nennt ein falsches Deckblatt oder eine fehlende Unterschrift auf der Selbstständigkeitserklärung als Gründe, eine Bachelorarbeit schon bei der Abgabe zurückzuweisen. Der Inhalt spielt in diesem Moment noch keine Rolle.
Aus unserer Erfahrung setzen Betreuungspersonen zudem eigene Schwerpunkte, die in keiner Wegleitung stehen. Manche erwarten einen ausführlichen Praxistransfer für Training oder Unterricht, andere legen mehr Gewicht auf die Grenzen der Methode. Diese Erwartungen fragen wir im Kick-off ab. Vor der Abgabe gleichen wir Ihre Arbeit unter anderem in diesen Punkten ab:
- Deckblatt und Titelei nach der Vorlage Ihres Instituts
- APA-Zitation mit DOI und Seitenangaben bei direkten Zitaten
- Literaturverzeichnis ausschliesslich mit Quellen, die im Text vorkommen
- Eigenständigkeitserklärung mit der geforderten Angabe zur KI-Nutzung
- Anhang mit Fragebögen, Messprotokollen und Auswertungsskript
Grundlage ist unsere Sammlung von Wegleitungen und Bewertungsrastern Schweizer Bildungseinrichtungen. Liegt Ihre Wegleitung bei uns noch nicht vor, fordern wir sie bei Ihnen an und arbeiten danach. Ergänzende Vorgaben Ihrer Betreuungsperson, etwa aus einer E-Mail, nehmen wir ebenfalls auf.